Bauherr

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Eigentlich ist Herr Zwinz an allem schuld.

Die 3er WG
Die 3er WG
Alt genug, eine Wohngemeinschaft nicht mehr am Küchendienst scheitern zu lassen, haben wir für unser Zusammenleben in einem nicht ganz kleinen, aber auch nicht üppigen Haus unweit von Stuttgart Zuständigkeiten für das Erledigen lästiger Alltagsverrichtungen definiert: So trägt jeder von uns – meine Frau Frida, unsere Freundin und Mitbewohnerin Claudia und ich – Uli – seinen Teil bei zum funktionierenden Miteinander. Das Fernhalten überflüssiger Dinge aus dem Wohnzimmer müsste ein Leichtes sein, dachte ich seinerzeit und meldete mich, vermeintlich clever, für diesen Aufgabenbereich. War es aber nicht. Im Gegenteil, ein im Wortsinne aufgeräumtes Wohnen gestaltete sich mit den Jahren zunehmend schwieriger. Und so bin ich im Dezember 2006 ins Stilwerk Stuttgart, auf der Suche nach einer gut aussehenden Einrichtung mit möglichst viel und möglichst unsichtbarem Stauraum. S’ Zehnerle und’s Weckle halt, wie immer.

Herr Zwinz.
Herr Zwinz.
Und wurde tatsächlich fündig – zumindest indirekt. Denn die im Shop massgenau von Zwinz – Schreinerei für Design + Funktion ausgestellten Möbel hatten was, keine Frage, und kurz darauf traf ich mich mit Rudolf Zwinz. Der sehr gern unseren Wohnraum neugestalten wollte. Aber auch gleich darauf hinwies, dass ein solcher recht aufwendiger Umbau doch ein bißchen was kosten würde. Da wir das Haus aber nur gemietet haben, machte das für uns wenig Sinn.

Was Eigenes.

Und so kam erstmals die Überlegung auf, ein Haus zu kaufen. Am liebsten natürlich das, in dem wir noch immer gut und gerne wohnen. Keine ganz schlechte Idee, die sich allerdings nicht realisieren ließ. Schade, ok, zumal Frida und Claudia wenig Begeisterung für einen Umzug aufbringen wollten. Doch ich war angespitzt. Und begann, mich nach einem geeigneten Objekt umzutun.

Viele für Uli. Eins für Frida.

Zunächst durchsuchte ich die gängigen Seiten im Internet – und fand, wie sich bei meinen Besichtigungen dann leicht herausstellte, mehr oder weniger, meist eher weniger, gelungene Häuser der 60er und 70er Jahre. Mehr oder weniger gut ausgestattet, mehr oder weniger gut gelegen. Also habe ich, für bessere und auch für die beiden bislang notorisch besichtigungsunwilligen Damen vorzeigbare Ergebnisse, ein wenig mit den Suchkriterien gespielt und mal hier, mal da meine Vorgaben geändert. Und plötzlich war es da: das weissehaus. Und Frida und Claudia sofort bereit, es sich anzusehen.

Es fing eine Leich’ an.

Es gibt schon seltsame Koinzidenzen: In dem Moment, als Frida und Claudia am Gründonnerstag, dem 5. April 2007, aus dem Auto stiegen, um das weissehaus zu besichtigen, begann auf dem nahe gelegenen Friedhof eine Beerdigungszeremonie. Oder, mit Fridas Worten: “Es fing grad’ a Leich’ an.” Der Posaunenschor spielte, die Sonne schien. Ein gutes Zeichen? Für Frida schon, sie signalisierte mir gleich beim ersten Rundgang hundert Prozent Zustimmung: das oder keins. Nun finde ich, dass solch erheblichen Entscheidungen der reiflichen Überlegung bedürfen. Fridas regelmässige Zustandsbefragungen ergaben zunächst unentschiedene fünfzig Prozent, mit den Wochen rang ich mich dann durch auf neunzig. Und für die letzten zehn – Bauch, sag was! Gekauft. Zum Glück, denn Makler und Eigentümer wurden langsam ungeduldig und drängten auf eine Entscheidung.

Die nichtalte Dame.

Apropos Eigentümer: Vor der Besichtigung hatten wir aus unerfindlichen Gründen die Vorstellung, die Besitzerin sei eine alte Dame. Nun, die erste Begegnung mit ihr war dann doch eine gehörige Überraschung, ist sie doch jünger als ich! Hätten wir’s gewußt, hätten wir in den Telefongesprächen vorab anders agiert? Unsere schriftliche “Bewerbung” anders formuliert? Hätte sie uns dann in die engere Wahl genommen? Hätten wir je den Kaufvertrag am 3. Juli 2007 unterschrieben?

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