Architekt

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Einzug Weihnachten 2007. Ein schöner Plan.

So positiv mein erster Eindruck von “unserem” Architekten auch war (und wohl auch umgekehrt), so wenig erfreute mich zunächst das Ergebnis unseres ersten Gesprächs. Denn der Herr Dollmann machte verschiedenes deutlich: Er arbeite am liebsten mit verschiedenen Partnern, die zum Objekt passen und, jeder für sich, in ihrem Bereich richtig gut sind; im Vorfeld sei bei mir wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit hinsichtlich gestalterischer Zusammenhänge zu leisten (was er so direkt natürlich nicht gesagt und nie gesagt hätte!). Und, überhaupt, vor September 2007 hätte er gar keine Zeit. Dann könne er allerdings sofort loslegen. Mit den Voruntersuchungen. Die recht schnell erledigt sein sollten. Aha. So dass dem Einzugstermin Weihnachten 2007 eigentlich nichts im Wege stünde. Ah ja?

Außer, wie wir heute wissen, vielleicht die Voruntersuchungen …

Das Haus hat Glück.

Frank-Ulrich Dollman, unser Architekt, ist überzeugt: “Mit Ihnen hat das Haus Glück gehabt.” Wir finden: Wir haben mit unserem Architekten Glück gehabt. Denn er hat uns in langen Gesprächen verstehen lassen, worum es bei der Modernisierung unseres Hauses gehen sollte: Um die Idee der Spannung zwischen Alt und Neu. Weshalb ein Alt und Neu zu gleichen Teilen keinen Sinn machen würde. Ebenso wenig wie “auf alt” gemachte neue Teile. Stattdessen sollte alles Neue auch so erkennbar sein. Was sich zum Beispiel über das Design neuer Elemente oder über eine andere Farbgebung erreichen ließe. Die Modernisierung sollte, neben den rein technischen Verbesserungen, der alten Substanz wieder genügend Kraft geben, um das Neue auszuhalten. Für ein spannendes Ungleichgewicht.

Energetische Optimierung. Atmosphärischer Erhalt.

Das war die Zielsetzung, die wir mit dem Architekten gemeinsam erarbeitet hatten. Es sollte also nicht um einen Erhalt im Sinne des Denkmalschutzes, sondern um den “atmosphärischen” Erhalt der Bausubstanz gehen. Ein hehres Vorhaben … denn dafür war, wie sich nach und nach herausstellte, ein umfangreicher Rückbau erforderlich. Denn obwohl sich EG und UG mit weißen Wänden und Eichenparkett genau so präsentierten, wie man sich gemeinhin einen renovierten Altbau vorstellt, so entsprach dies zum einen nicht der ursprünglichen bauzeitlichen Ausstattung. Zum anderen gab es durch die völlig anderen Bodenbeläge im neu renovierten Obergeschoss – Buche im Wohnraum, Teppichboden in anderen Räumen – keinen Zusammenhang mehr zwischen den drei Stockwerken, das Dachgeschoss fiel sozusagen komplett aus dem Bild.

Zusammenhang und Differenzierung.

Hinzu kam, dass auch die ursprünglich vorhandene Differenzierung der Stockwerke nicht mehr gegeben war: Das Untergeschoss war ursprünglich ein Vorratskeller: niedrigere Deckenhöhe, einfachere Türen und die typischen runden Wandkanten, die beim Transport gröberer Dinge einfach praktischer weil unempfindlicher gegen Stöße und Macken waren. Das Erdgeschoss war die “Bel Etage”, entsprechend aufwendig gestaltet und mit der größten Deckenhöhe. Und das heutige Dachgeschoss war schlicht ein weitgehend unausgebauter Dachboden. Natürlich wollten wir nicht alles in den “Urzustand” versetzen – aber doch den ursprünglichen Zusammenhang der Stockwerke wieder herstellen und eine gewisse Differenzierung erreichen. Anders gesagt: Wir wollten äußeren Schein und innere Wirklichkeit in Übereinstimmung bringen. Und genau das schien eine zunächst unlösbare Aufgabe zu sein.

Gedankliche Stolpersteine.

Größte Hemmschwelle dabei war zunächst der Fußboden im OG. Ein Bucheparkett guter Qualität, sauber verarbeitet, nicht abgewohnt. Können wir das einfach so rausreißen? Wir konnten: weil es die von uns gewünschte Atmosphäre beeinträchtigte; weil es noch nie richtig dazugehört hatte; weil nichts Beliebiges im weissenhaus drin bleiben sollte. Allerdings, die Hemmung, den Fußboden dem Weg alles Irdischen zu überantworten, fiel nicht gleich, sondern über diverse Umwege – Klimatechnik, energetische Optimierung, Fußbodenheizung. Und erst, als all diese Punkte geklärt waren, ergab sich ein schlüssiges, auf der ursprünglichen bauzeitlichen Denke aufbauendes Konzept für das angestrebte Wechselspiel von Zusammenhang und Differenzierung.

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